„Zug des Lebens“ – beeindruckend!

Im Lauf vieler Jahre habe ich nicht wenige Filme gesehen, die mich beeindruckt haben. Deshalb habe ich sie über die Jahre mehrfach und mit jeweils anderem Blick angesehen. Einer dieser Filme ist „Zug des Lebens“. Filmstart war 1998 in Frankreich, Belgien und den Niederlanden. Im März 2000 kam er in die deutschen Kinos.

Die Tragikkomödie beginnt in einem kleinen jüdischen Schtetl, irgendwo im Osteuropa im Jahr 1941. Der Dorfnarr Schlomo überbringt die furchtbare Nachricht: Die deutsche Armee kommt! Sie vernichtet alle jüdischen Dörfer, tötet die Einwohner oder deportiert sie. Die Versammlung der Dorf-Weisen ist ratlos. Schlomo unterbreitet den rettenden Vorschlag, der auf den ersten Blick absurd wirkt: Wir deportieren uns selbst.

Auf den zweiten Blick erkennt die Versammlung: Das könnte die Rettung sein. Die Dorfgemeinschaft beschafft eine völlig marode Dampflock mit Güterwaggons. Sie verwandelt sie in einen Zug mit ansehnlichen Waggons für die Bewacher, die Wehrmachts-Uniformen tragen. Ein Theater-Erfahrener des Dorfes bringt den „Nazis“ akzentfreies Deutsch und soldatische Umgangsformen bei. Alle anderen werden in den Waggons für die „Deportierten“ untergebracht. 

Als alle Vorbereitungen abgeschlossen sind, bricht die jüdische Gemeinde in großer Heimlichkeit mit dem Zug in eine ungewisse Zukunft auf. Ihr Weg soll die zunächst hinter die Front und dann über Russland ins gelobte Land Palästina führen. Dem dem Zug drohen dabei vielfältige Gefahren. Auch unter den „Deportierten“ gibt es Konflikte.

Der 1958 geborene rumänisch-französische Regisseur Radu Mihăileanu ist ein Kind von Überlebenden der Shoa. Er knüpft mit seinem Film an Traditionen eines komödiantischen Umgangs mit dem Nazi-Grauen an. Diese wurden unter anderem von Charlie Chaplin („Der große Diktator“) und Ernst Lubitsch („Sein oder Nichtsein“) begründet. Verglichen wird „Zug des Lebens“ auch mit dem 1997 erschienen, weit erfolgreicheren Film des italienischen Regisseurs Roberto Begnini „Das Leben ist schön“. Bei all seiner absurden Komik lässt der mit vielen Preisen bedachte Film den schrecklichen historischen Hintergrund nie vergessen.

Der Film kann von Inhaber*innen eines Leseausweises kostenlos bei der Stadtbücherei Kirchheim herunter geladen werden.

Hans Dörr

veröffentlicht von Hans
 am